SCHULPROJEKT
Theater
All meine Erfahrungen aus jahrelanger Theaterarbeit kommen hier zum Einsatz:
das passende Stück zu finden, mit jedem Schüler die richtige Rolle auszuwählen, schauspielerisches Handwerk weiterzugeben, ein Bühnenbild zu kreieren, Kostüme zu entwerfen und das Stück zur Aufführung zu bringen. Darüber hinaus begeistert es mich, eine Gruppe zu leiten, Regie zu führen und die jungen Menschen bei ihrer Entwicklung zu begleiten.

2024
Das Echo unserer Welt
Als mich die Waldorfschule Landsberg am Lech erneut für die Regie eines 12.Klass-Stücks angefragt hat, war mir sofort klar, dass ich etwas erzählen möchte, was mir wirklich am Herzen liegt. Die 12. Klasse hatte selbst keine Vorschläge und so machte ich mich auf die Suche und stieß schließlich auf den Roman „die Bücherdiebin“ von Markus Zusak.
Ich besorgte mir den Film und entwickelte die Idee eine eigene Theaterfassung zu schreiben.
Das Projekt stieß in der Klasse auf großes Interesse, da die Schülerinnen und Schüler gespannt waren, wie die Umsetzung des Romans auf der Bühne aussehen würde.
Zusammen mit meinem Vater habe ich diese Idee in die Realität umgesetzt.
Wir brachten zahlreiche kreative Ideen ein, um die Geschichte lebendig und spannend zu gestalten, arbeiteten intensiv an den Dialogen und Szenen, achteten darauf, den Kern der Geschichte beizubehalten und gleichzeitig moderne Elemente einzufügen.
Das Ziel war es, ein Stück zu schaffen, das sowohl die Schüler als auch das Publikum begeistern würde und das Ergebnis nach vier intensiven Probenwochen war unglaublich berührend.
Zusak nahm als Grundlage für diese Geschichte die Erzählungen seiner Eltern über die Bombenangriffe auf München und die Judenverfolgung im 2. Weltkrieg.
Wir haben die Thematik des Dritten Reichs in die Jetzt -Zeit geholt, auf die Flüchtlingsproblematik umgemünzt und an den Frieden in der Welt erinnert.
Zudem war die Rolle des Todes, gespielt von fünf verschiedenen Schauspielern, prägnant und es bedurfte vielen Gesprächen und Auseinandersetzungen bis wir mit der Darstellung des Todes zufrieden waren.
Es war mir eine große Freude, wenn auch Herausforderung mit den Jugendlichen zu arbeiten und dem Stück die Tiefe zu verleihen, die es nötig hatte.
Die Uraufführung war ein voller Erfolg.
2018
Verbrennungen
Gemeinsam mit der 12. Klasse und deren Deutschlehrerin entdeckten wir das Stück „Verbrennungen“. Da die Klasse so groß war, mussten wir eine Fassung erarbeiten, in der jeder Schüler eine passende Rolle spielen konnte. Im Vorfeld machten wir dazu ein Vorsprechen.
Die Auseinandersetzung mit diesem Stück war herausfordernd und hat uns alle sehr berührt und zusammengeschweißt. Die vier Wochen Probenzeit verging wie im Flug und das Ergebnis wurde mit großem Beifall belohnt.
Schüler begleiteten mit der Kamera das ganze Projekt, so dass parallel dazu ein Film entstand, den wir später zusammen anschauen konnten.
Die Zusammenarbeit mit der Klasse war für mich ein Geschenk. Es war eine unglaublich schöne, intensive und harmonische Arbeit.
Stückbeschreibung: Nach dem Tod ihrer Mutter machen sich die Zwillingskinder Jeanne und Simon auf die Suche nach ihrem Vater und ihrem Bruder. Nie hat die Mutter viel von sich erzählt und fünf Jahre vor ihrem Tod ist sie zum Unverständnis der Kinder vollständig verstummt. Jeanne beginnt, das Leben der Mutter in einem ihr fremden, vom Schrecken eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs gekennzeichneten Landes im Nahen Osten, zu rekonstruieren. Bei den Nachforschungen der Geschwister stellt sich letztendlich heraus, dass deren Vater und Bruder ein und dieselbe Person sind. Die Mutter Nawal brachte in jungen Jahren ein Kind zu Welt, welches sie jedoch abgeben musste. Dieses Kind, genannt Nihad (später Abou Tarek) entwickelte sich zu einem Kriegsverbrecher und später zu einem Gefängniswächter. Nawal saß in ebendiesem Gefängnis und wurde von Abou Tarek vergewaltigt, was zur Geburt von Jeanne und Simon führte.

Empfehlungsschreiben der Waldorfschule Landsberg
"lnes Maria Schmiedt war vom 2.1.2018 bis 27.1.2018 mit der Inszenierung des Klassenspiels der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Landsberg betraut. Es handelte sich dabei um das Stück „Die Frau, die singt" des kanadisch-libanesischen Autors Wajdi Mouawad.
Als künstlerischer Höhepunkt ist das vierwöchige Theaterprojekt der 12. Klasse ein integraler Bestandteil des Waldorfabschlusses. Die jungen Erwachsenen setzen sich in dieser intensiven Zeit unter der professionellen Leitung eines Regisseurs oder einer Regisseurin mit einem selbstgewählten Theaterstück auseinander. Für die Schülerinnen und Schüler ist dies eine Ausnahmesituation im Schulalltag: Von der Auswahl bis zur Aufführung bedeutet das Projekt eigenverantwortliche gemeinsame Arbeit, die viel Zeit, Engagement und Fleiß erfordert. Dabei ist der Entstehungsprozess mindestens genauso wichtig und bedeutsam wie das Endergebnis.
Die Begeisterung, mit der Frau Schmiedt schon im Vorfeld des offiziellen Arbeitsbeginns an das Projekt heranging, übertrug sich von Anfang an auf die Klasse. Mit ihrer offenen, engagierten und überaus sympathischen Art gewann Frau Schmiedt das Vertrauen der 28 Jugendlichen sofort. Sie begegnete den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe, nahm ihre Anliegen stets ernst und beriet sie entsprechend. In enger Kooperation mit der Schule begleitete sie den Prozess der Stückauswahl sehr kompetent und zeigte große Sensibilität und Fingerspitzengefühl bei der Rollenverteilung. So gelang es ihr beispielsweise durch eine dramaturgisch äußerst wirkungsvolle Aufteilung der Hauptrolle, sowohl dem pädagogischen wie auch dem künstlerischen Anspruch auf einfühlsame Weise gerecht zu werden. Darüber hinaus erlaubte ihr kreativer Umgang mit der Stückvorlage insgesamt eine sehr ausgewogene Besetzung und hatte nebenbei Mn Effekt, den schwierigen Stoff für die Jugendlichen entwicklungsspezifisch bewältigbar zu machen.
Frau Schmiedt ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern während der intensiven gemeinsamen Probenarbeit, in ihrem eigenen Tempo in die jeweiligen Rollen hineinzuwachsen und diese nach den eigenen Möglichkeiten und Talenten weiter auszugestalten. Ihre Anleitung war dabei immer von sehr großem zwischenmenschlichem Geschick geprägt: inspirierend, ermutigend und behutsam in der Rücksichtnahme auf den individuellen Entwicklungsstand der Jugendlichen. Sie gewährte den Einzelnen so viel Freiraum wie möglich und vermochte es, die unterschiedlichen Darstellungsleistungen mit dem hohen Anspruch der Produktion in einen äußerst harmonischen Einklang zu bringen. So entstand eine sehr überzeugende Inszenierung, die der Klasse einen hohen Grad an eigenständiger Darstellungsleistung erlaubte, sowohl auf der individuellen wie auch auf der gemeinschaftlichen Ebene. Der pädagogisch beabsichtigte Erfahrungsprozess konnte sich auf diese Weise voll entfalten.
Mit dem Theaterprojekt gelang Ines Schmiedt ein Kunststück, das gängige Erwartungen an traditionelles Schülertheater bei Weitem übertraf. Ihre dramaturgische Konzeption war sorgsam durchdacht und entstand im lebendigen Austausch mit der Klasse. Die verschiedenen Zeitebenen des Stücks, die schicksalshafte Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit, inszenierte sie packend und effektvoll. Requisite, Kostüm und Bühnenbild - entstanden in der Kleingruppenarbeit der Schüler - erschienen sparsam zurückgenommen und doch in ihrer symbolhaften Wirkung deutlich herausgearbeitet. Auftritte und Abgänge sowie szenische Übergänge waren fließend gestalte, sodass alle Teile sich schlussendlich wie ein Puzzle zusammefifügten. Da es in der Inszenierung keinen überflüssigen Part gab, konnten die Jugendlichen immer das Gefühl haben, am richtigen Platz und für das gemeinsame Ganze bedeutsam zu sein. Alle Bühnenmittel waren überaus stimmig eingesetzt, der Spannungsbogen mit sicherer Hand geführt, spektakuläre Szenen wirkungsvoll gestaltet.
Alle drei Aufführungen vor Publikum waren äußerst erfolgreich; die Zuschauerzahl nahm mit jeder einzelnen zu. Die Klasse erreichte das selbst gesteckte Ziel und überzeugte das Publikum. Wie das Gästebuch beweist, beschäftigte die Produktion die Zuschauer nachhaltig, genauso, wie es in der ursprünglichen Absicht der Klasse gelegen hatte. Diese konnte daher das Projekt mit einem tosenden Applaus abschließen und erhielt für die Balance zwischen Spielfreude und Ernsthaftigkeit der Aussage besondere Anerkennung.
Alle Beteiligten haben die Zusammenarbeit mit Ines Schmiedt menschlich wie künstlerisch als große Bereicherung erlebt. Wir möchten ihr für ihre hervorragende Arbeit unseren aufrichtigen Dank aussprechen und wünschen ihr für zukünftige Projekte dieser Art alles erdenklich Gute."